Hallo Welt!

Am 10. Oktober 1984 stand ich mit einer Eintrittskarte für ein Klaus Schulze-Konzert vor der Christuskirche in Hannover. Und weil ich viel zu früh war, spazierte ich durch die offene Tür ins Innere und sah den Technikern beim Aufbau des Equipments zu.

Ein zentrales Tonmöbel voller Kabel und blinkender Lampen faszinierte mich besonders und ich muss ein Gesicht gemacht haben wie ein gläubiger Mensch, der das erste Mal in seinem Leben ein aufgeklapptes Triptychon betrachtet. Jedenfalls bis zu dem Augenblick, als ich ein Gesicht machte wie Jemand, auf den man aufmerksam geworden war und den man freundlich, aber bestimmt vor die Tür gesetzt hatte. An diesem Tage wusste ich: Sowas musste ich auch haben. Nach nur 30 Jahren ist es soweit: Ich baue mir einen modularen Analog-Synthesizer. Dieser Herr warnt zwar davor, aber ich bin hoffnungslos infiziert.

Ich weiß heute noch nicht, wo das zeitlich und monetär endet, aber angefangen habe ich mit dem YUSYNTH. Zumindest als Grundbaukasten. Der Yusynth macht einen soliden Eindruck und alles ist gut erklärt. Ich habe bereits jeweils einen VCO, VCF, VCA und ADSR gebaut und das Ergebnis lässt mich hoffen (Fotos von meinen Modulen gibt es auf der Yusynth-Seite in den Galerien der jeweiligen Module am unteren Ende). Ein zweiter VCO bekommt gerade eine Tochterplatine mit Sub-Oszillator, beruhend auf diesem Artikel. Mein Baby hat also bereits seinen ersten Töne von sich gegeben und das macht einen Vater natürlich sehr stolz. Wer vorab ein paar Fotos sehen möchte, dem sei eine kleine Galerie ans Herz gelegt. (Das Netzteil ist noch sehr experimentell und entstammt der Zeit, als das Projekt noch eine Machbarkeitsstudie war …)

Dem Bau ging ungefähr ein Jahr Planung voraus. Bohrende Fragen beschäftigten mich wie z.B.: Bananenbuchsen oder Miniklinke? Wie befestige ich Platinen an der Frontplatte, wenn ich vorne keine Schrauben sehen will? Wie überhaupt bedrucke ich die Frontplatten? Ich habe viel recherchiert, mit Farblaser auf Folie gedruckt, Gravur und Tonerdirektdruck ins Auge gefasst, alles wieder verworfen und mich schließlich für Pulverbeschichtung und Siebdruck entschieden. Beides hat mich inkl. Verbrauchsmaterial bisher ~600 Euro gekostet, aber es hat sich gelohnt. Ich bin froh, diesen Weg gegangen zu sein und im Nachhinein war es gar nicht so schwer, wie ich anfangs dachte. OK, ich gewinne ganz sicher keinen Preis für Industriedesign, aber für den Hausgebrauch bin ich durchaus zufrieden.

Natürlich gab es auch eine ganze Reihe von Rückschlägen. Ich habe mir ein NEKTAR GX61 als MIDI-Keyboard gekauft, um dann festzustellen, dass USB-MIDI von heute nicht das MIDI von früher mit 5-poligen DIN-Buchsen ist (Mein ATARI hatte noch sowas!). Also musste ein Konverter aus einem Arduino Mini (5 Euro) und einem USB-Host (5 Euro) her. Verschandelte Pulverbeschichtung, verschmierter Siebdruck, Designfehler beim Verkleinern der Yusynth-Frontplattenvorlagen von 5HE auf 3HE (Immerhin passen die Seitenverhältnisse!). Ein bunter Blumenstrauss an Showstoppern.

Warum diese Webseite? Ich möchte meine Erfahrungen mit Interessierten teilen und natürlich selbst noch dazulernen. Ich werde also in lockerer Folge von Erfahrungen im Bau von Modulen berichten, über Pulverbeschichtung, Siebdruck, eigene Schaltungsentwürfe und Ideen. Einen Yusynth VCO zu kalibrieren kann beim ersten Mal auch ganz spannend sein. Ich habe ein digitales Stimmgerät gebaut, ein Minisequenzer mit Ratcheting-Effekt und ein Quadratur-LFO mit regelbarer Phase werden aktuell im Windkanal getestet. Stay tuned …

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